Tagebuch Axel

Ich will (m)ein Frühstück

obstSo, vierzehn Tage sind schon mal geschafft. Heute habe ich meinen Vegani zum Frühstück eingeladen. Nein, ich wollte ihn nicht verführen, umstimmen oder gar testen. ICH wollte nur frühstücken. Testi sitzt vor der Karte und rutscht auf dem Stuhl hin und her. Fast tat es mir ein wenig leid, aber die Entscheidung war schnell getroffen: „Frühstück Klassisch“, während mein veganer Sonnenschein sich hinter der Karte langsam zu verdunkeln begann. Die zunehmende Sonnenfinsternis beschwor zu alledem noch heimgegangenen ostdeutschen Realsozialismus: „Hm, geht nicht!“, „Äh, gibt es nicht.“ oder eben nur: „Is nich!“. Was geht sind ein paar liebevoll arrangierte Scheiben trockenes Brot, Marmelade und Obstsalat mit Früchten die den Winter meiden. Da muss man ganz schön viel Kaffee vertragen, damit Frühstück zum lustvollen Happening wird, denke ich und lege noch eine Scheibe Käse auf meine Schinkensemmel. Das Ei war übrigens vorzüglich, aber lassen wir das… Ich will ja nicht verführen, umstimmen oder so. Ich will nur mein Frühstück.

 

„Was soll ich denn aus dem Laden mitbringen?“, mein Testling ist auf dem Weg zur Tür. Eier, Wurst, Milch und Käse! Bevor ich es ausspreche beiße ich mir auf die Zunge. Vielleicht einen Fisch? Ups. Mir fallen nur noch Gewürzgurken ein. Ich sage stattdessen: „Bring doch irgendwas mit, worauf du eben Lust hast.“ und versuche dabei so unschuldig wie möglich auszusehen. Mein Testi ist schon aus der Tür. Die Frage war wohl nicht an mich gerichtet. Ich überlege, ob ich noch genügend Bier im Keller habe.

P.S. Lieber Conni, danke für das Notfallwienerle, was ab jetzt Tag und Nacht immer in eurem Kühlschrank (und nach Anbruch der Sperrstunde vor der Haustür) liegt.

Grazie!

Hinter jeder erfolgreichen Veganerin steht ein Mann der da durch muss 🙂

Heinz R. Kunze würde jetzt sagen: „Dies ist der Abend vor dem Morgen danach“. In den nächsten Tagen werde ich mit (m)einem Testveganer unter einem Dach leben. Mein „Testi“ will sich sechzig Tage lang zum Freund aller Tiere erklären. Und, Freunde isst man nicht!

Bevor ich ernsthaft darüber nachdenke, was jetzt alles nicht mehr in den Topf, aus der Pfanne und auf den Tisch kommt, blitzen grelle Signallampen auf: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Arzt oder Apotheker“. Vor meinem geistigem Auge spielen sich Szenarien ab, dessen Regisseur, die Entzugserscheinung, alle Facetten seines kreativen Schaffens einfallsreich in Szene setzt.

Im selben Augenblick wird mir jedoch klar, dass ich mit diesem Gedankenmanöver vom eigentlichen Problem ablenken möchte. Über meinen Testi brauch ich mir keine Sorgen zu machen. Aber welche Nebenwirkungen hat das Experiment für mich? Was ist, wenn mein „Vegantestling“ ein neues Lebensgefühl entdeckt? Dann wird es ernst und die Nebenwirkungen sind noch nicht abzusehen.

Axel
(die bessere Hälfte von Martina)